Siegel für Haltungsformen: gesetzliche Anforderungen, worauf du achten musst und für wen es gilt

von Thomas Zydeck | 01.06.2026 | HACCP Hygiene, QM in der Praxis

Ein Siegel für Haltungsformen soll eigentlich Klarheit schaffen: Wie wurde das Tier gehalten, bevor sein Fleisch im Regal landet? In der Praxis sorgt es aber oft für Fragezeichen. Es gibt nämlich nicht nur ein Zeichen, sondern gleich zwei Systeme, dazu ein Gesetz mit mehrfach verschobenem Starttermin. Wenn du einen Betrieb in der Lebensmittelbranche führst, lohnt sich der Durchblick. Hier bekommst du ihn.

Siegel für Haltungsformen: zwei Systeme, die leicht durcheinandergehen

Der wichtigste Punkt zuerst: Wenn von einem Siegel für Haltungsformen die Rede ist, sind meist zwei ganz unterschiedliche Dinge gemeint. Beide arbeiten mit fünf Stufen und ähnlichen Begriffen. Genau das macht die Verwirrung so hartnäckig.

Das freiwillige Handelslabel „Haltungsform"

Das bunte „Haltungsform"-Label kennst du aus dem Supermarkt. Es ist freiwillig und wird von großen Handelsketten genutzt. Es ist kein eigenes Prüfsiegel, sondern sortiert bestehende Tierwohlprogramme in ein einheitliches Raster. Seit 2024 läuft die Umstellung von vier auf fünf Stufen.

Die staatliche Tierhaltungskennzeichnung

Daneben steht die staatliche Tierhaltungskennzeichnung. Sie beruht auf dem Tierhaltungskennzeichnungsgesetz und wird nach einer Übergangsfrist verpflichtend. Das schwarz-weiße Zeichen zeigt an, in welcher Haltungsform ein Tier gelebt hat. Offizielle Infos dazu findest du bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung.

Die fünf Haltungsstufen im Überblick

Beide Systeme nutzen inzwischen dieselben fünf Bezeichnungen. Von der einfachen Stallhaltung bis zur ökologischen Erzeugung sieht die Kennzeichnung der Haltungsform so aus:

  • Stall: Haltung nach dem gesetzlichen Mindeststandard.
  • Stall + Platz: etwas mehr Platz sowie zusätzliche Struktur und Beschäftigung im Stall.
  • Frischluftstall: Kontakt zum Außenklima, zum Beispiel über offene Stallseiten.
  • Auslauf/Weide: zusätzlicher Zugang ins Freie.
  • Bio: Erzeugung nach den Vorgaben der ökologischen Tierhaltung.

Gut zu wissen: Eine höhere Stufe bedeutet mehr Platz und mehr Auslauf, ist aber keine automatische Garantie für alles, was man sich unter Tierwohl vorstellt.

Gesetzliche Anforderungen: das steht im Tierhaltungskennzeichnungsgesetz

Das Tierhaltungskennzeichnungsgesetz ist seit 2023 in Kraft. Die Pflicht zur Kennzeichnung sollte ursprünglich im August 2025 greifen, wurde aber zweimal verschoben. Aktuell ist der Start für den 1. Januar 2027 vorgesehen. Eine freiwillige Kennzeichnung ist schon vorher erlaubt.

Die Pflicht gilt zunächst nur für frisches, unverarbeitetes Schweinefleisch von Tieren, die in Deutschland gehalten, geschlachtet und verarbeitet wurden. Wurst und stärker verarbeitete Produkte sind zunächst nicht erfasst. Für Betriebe entlang der Kette bedeutet das konkret:

  • Tierhalter melden ihre Haltungsform der zuständigen Landesbehörde und erhalten eine Kennnummer.
  • Für die Stufe Stall ist in der Regel kein zusätzlicher Nachweis nötig. Ab Stall + Platz muss die Haltung belegt werden, etwa durch eine amtliche Bescheinigung oder eine akkreditierte Kontrollstelle.
  • Schlachthöfe und verarbeitende Betriebe geben die Information entlang der Kette weiter.
  • Die Kennzeichnung am Verkaufsort liegt beim Lebensmittelunternehmen. Bei gemischter Herkunft muss der Anteil je Haltungsform angegeben werden.
  • Für Direktvermarkter ist es einfacher: Ein Hinweis an der Theke kann ausreichen.

Hinweis: Fristen, Stufenkriterien und Nachweispflichten sind in Bewegung und werden politisch noch angepasst. Prüfe den konkreten Stand für deinen Betrieb vor der Umsetzung mit der zuständigen Stelle.

Worauf du beim Siegel für Haltungsformen achten solltest

Damit das Siegel für Haltungsformen im Alltag nicht zur Stolperfalle wird, helfen ein paar einfache Prüfpunkte:

  • Kläre, ob du das freiwillige Handelslabel, die staatliche Kennzeichnung oder beides nutzt.
  • Stelle sicher, dass die angegebene Stufe zur tatsächlichen Herkunft der Ware passt.
  • Halte Kennnummern und Nachweise sauber dokumentiert und für Kontrollen bereit.
  • Achte bei gemischter Ware auf die korrekte Angabe der Anteile.
  • Vermeide Werbeaussagen, die eine höhere Stufe suggerieren, als tatsächlich vorliegt.

Wer diese Punkte sauber regelt, spart sich später Ärger bei der Kontrolle. Wie du solche Nachweise strukturiert dokumentierst, zeigen wir dir auch in unseren weiteren Beiträgen rund um Lebensmittelkennzeichnung und Dokumentation.

Für wen gilt das Siegel?

Die Kennzeichnung betrifft aktuell vor allem Betriebe, die mit frischem Schweinefleisch arbeiten. Dazu zählen:

  • Schweinemäster und tierhaltende Betriebe
  • Schlachthöfe und fleischverarbeitende Betriebe
  • Lebensmittelhandel, Metzgereien und Verkaufsstellen

Geplant ist, die Kennzeichnung der Haltungsform später auszuweiten, etwa auf Rindfleisch, Geflügel sowie auf Kantinen und Restaurants. Wer sich früh vorbereitet, hat es später leichter.

Häufige Fragen zu Siegeln für Haltungsformen

Ist das Siegel für Haltungsformen Pflicht?

Das freiwillige Handelslabel ist nicht verpflichtend. Die staatliche Tierhaltungskennzeichnung wird nach der Übergangsfrist verpflichtend, aktuell ab dem 1. Januar 2027, zunächst für frisches Schweinefleisch aus Deutschland.

Was bedeuten die fünf Stufen?

Die Stufen reichen von „Stall" über „Stall + Platz", „Frischluftstall" und „Auslauf/Weide" bis „Bio". Sie beschreiben, wie viel Platz und Auslauf die Tiere in der Mast hatten.

Gilt die Kennzeichnung auch für Wurst?

Zunächst nicht. Die Pflicht startet mit frischem, unverarbeitetem Schweinefleisch. Stärker verarbeitete Produkte wie Wurst sind vorerst ausgenommen.

Unsicher, was das Siegel für Haltungsformen für deinen Betrieb bedeutet?

Dann lass uns kurz über deine Prozesse sprechen und schauen, wie du Kennzeichnung, Nachweise und Dokumentation sauber und prüfsicher aufstellst.

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