Lebensmittelsicherheit bei Gewürzen: Risiken, Kennzeichnung und gesetzliche Anforderungen

von Thomas Zydeck | 13.06.2026 | HACCP Hygiene, QM in der Praxis

Gewürze und Gewürzmischungen gelten als kleine Zutat mit großer Wirkung. Doch gerade weil sie in fast jedem Gericht landen, ist die Lebensmittelsicherheit bei Gewürzen ein Thema, das du im Betrieb nicht unterschätzen solltest. Getrocknete Pflanzenteile bringen eigene Risiken mit: Schadstoffe, Keime und versteckte Allergene. Die gute Nachricht: Mit einem klaren Blick auf die Gefahren und ein paar sauberen Routinen hast du das gut im Griff.

Können Gewürze ein gesundheitliches Risiko darstellen?

Ja, das können sie. Gewürze wachsen im Freiland, werden getrocknet, gemahlen und oft über weite Strecken transportiert. Auf diesem Weg können unerwünschte Stoffe und Keime dazukommen. Das heißt nicht, dass Gewürze grundsätzlich gefährlich sind. Es heißt nur: Du solltest wissen, wo die typischen Schwachstellen liegen, damit du sie gezielt absichern kannst.

Wichtig ist dabei die Menge. Gewürze werden meist nur in kleinen Anteilen verwendet. Trotzdem lohnt der genaue Blick, weil manche Belastungen sich über die weitere Zubereitung verstärken können.

Welche Schadstoffe in Gewürzen vorkommen können

Bei Schadstoffen in Gewürzen stehen vor allem natürliche und umweltbedingte Verunreinigungen im Fokus. Dazu zählen unter anderem:

  • Mykotoxine wie Aflatoxine: Sie entstehen durch Schimmelpilze und können laut Bundesinstitut für Risikobewertung unter anderem in Gewürzen, Nüssen oder Trockenfrüchten auftreten, meist infolge ungünstiger Lager- oder Trocknungsbedingungen.
  • Pyrrolizidinalkaloide: Das sind pflanzliche Toxine, die durch mitgeerntete Beikräuter in getrocknete Kräuter und Gewürze gelangen können.
  • Ethylenoxid: Dieses Begasungsmittel ist in der EU nicht zur Behandlung von Lebensmitteln zugelassen. Rückstände führen regelmäßig zu Rückrufen.
  • Schwermetalle: Sie können über Boden und Umwelt in die Rohware gelangen.

Für einige dieser Stoffe gibt es EU-weite Höchstgehalte, für andere nur Empfehlungen und das Minimierungsprinzip. Weitere neutrale Hintergrundinfos zur Bewertung solcher Stoffe findest du beim Bundesinstitut für Risikobewertung.

Sind Gewürze mikrobiologisch belastet?

Getrocknete Gewürze sind kein steriles Produkt. Sie können Keime tragen, die aus Boden, Ernte und Verarbeitung stammen. In der Praxis relevant sind vor allem Salmonellen und Bakterien der Bacillus-cereus-Gruppe.

Der Knackpunkt bei Sporenbildnern wie Bacillus cereus: Ihre Sporen überstehen normales Erhitzen. Bringst du ein gewürztes Gericht in Ordnung, hältst es dann aber zu lange lauwarm, können die Sporen auskeimen und sich vermehren. Deshalb zählt am Ende oft weniger die Ausgangsbelastung des Gewürzes als der richtige Umgang mit der fertigen Speise.

Hinweis: Fertig gegarte Speisen solltest du entweder heiß halten oder zügig herunterkühlen, statt sie lange im lauwarmen Bereich stehen zu lassen. Die genauen Temperaturvorgaben hängen von Betrieb und Produkt ab und sollten intern geprüft werden.

Kennzeichnung: Allergene und Zusatzstoffe in Gewürzen

Gewürze sind ein Klassiker für versteckte Allergene. Der Grund: Der Sammelbegriff „Gewürze" in einer Zutatenliste sagt nichts darüber aus, was genau drinsteckt. In Gewürzmischungen können kennzeichnungspflichtige Zutaten stecken, ohne dass man sie sofort erkennt.

Die Basis dafür ist die EU-Lebensmittelinformationsverordnung (EU) Nr. 1169/2011 (LMIV). Sie verpflichtet dich, die 14 Hauptallergene anzugeben, egal ob bei verpackter oder loser Ware. Für Gewürze und Gewürzmischungen besonders wichtig sind:

  • Sellerie: steckt häufig in Suppen- und Würzmischungen.
  • Senf: oft in Grill- und Fleischgewürzen.
  • Schwefeldioxid und Sulfite: können als Zusatzstoff enthalten sein.
  • Glutenhaltiges Getreide: teils als Trägerstoff in Mischungen.

Zusatzstoffe wie Farbstoffe, Trennmittel oder Antioxidationsmittel müssen ebenfalls kenntlich gemacht werden. Wie die Kennzeichnung bei loser Ware konkret erfolgt, ist in Deutschland ergänzend geregelt und sollte im Betrieb sauber dokumentiert werden. Prüfe deshalb die Spezifikationen deiner Lieferanten genau, damit die Allergene in Gewürzen nicht durch die Maschen fallen.

Risiko- und Gefahrenanalyse für Gewürze und Gewürzmischungen

Die einzelnen Punkte laufen in der Gefahrenanalyse für Gewürze zusammen. Als Teil deines HACCP-Konzepts betrachtest du systematisch drei Gefahrenarten:

  1. Biologisch: Salmonellen, Bacillus cereus und andere Keime.
  2. Chemisch: Schadstoffe wie Mykotoxine, Pyrrolizidinalkaloide oder Rückstände, dazu Allergene.
  3. Physikalisch: Fremdkörper wie Steinchen, Pflanzenteile oder Verpackungsreste.

Für die meisten Betriebe ist das entscheidende Steuerungselement kein eigener kritischer Kontrollpunkt beim Gewürz selbst, sondern die Absicherung über Lieferantenauswahl, Wareneingangskontrolle, Spezifikationen und die richtige Lagerung. Wie du eine belastbare Gefahrenanalyse aufbaust und typische Fehler vermeidest, zeigen wir dir Schritt für Schritt im Beitrag HACCP-System richtig aufbauen.

Was sind die gesetzlichen Anforderungen bei Gewürzen?

Für die Lebensmittelsicherheit bei Gewürzen greift kein einzelnes „Gewürzgesetz", sondern ein Zusammenspiel mehrerer Regelwerke. Die wichtigsten Bausteine sind:

  • die EU-Basisverordnung (EG) Nr. 178/2002 mit den Grundsätzen des Lebensmittelrechts,
  • die EU-Hygieneverordnung (EG) Nr. 852/2004 mit der Pflicht zu einem Eigenkontrollsystem nach HACCP-Grundsätzen,
  • in Deutschland die Lebensmittelhygiene-Verordnung (LMHV) und das LFGB,
  • die LMIV (EU) Nr. 1169/2011 für Kennzeichnung und Allergene,
  • Regelungen zu Höchstgehalten für bestimmte Kontaminanten auf EU-Ebene.

Als Lebensmittelunternehmer bist du dafür verantwortlich, dass die Ware sicher ist und du das nachweisen kannst. Konkrete Höchstgehalte, Fristen und Prüfintervalle hängen von Produkt, Branche und aktueller Rechtslage ab und sollten intern sowie mit der zuständigen Stelle geprüft werden.

Häufige Fragen zur Sicherheit von Gewürzen

Muss ich Gewürze im Betrieb selbst untersuchen lassen?

Nicht zwingend selbst. Viele Betriebe stützen sich auf geprüfte Lieferanten und deren Spezifikationen. Ob und wie du zusätzlich beprobst, hängt von deiner Gefahrenanalyse und deinem Risiko ab.

Reicht die Angabe „Gewürze" in der Zutatenliste?

Für die reine Sammelbezeichnung oft ja, für Allergene nein. Enthaltene Allergene wie Sellerie oder Senf musst du immer angeben, auch wenn sie über eine Gewürzmischung ins Produkt gelangen.

Sind Keime in Gewürzen automatisch ein Problem?

Nicht automatisch. Entscheidend ist die Menge und der Umgang mit der fertigen Speise. Sauberes Kühlen und Heißhalten senkt das Risiko deutlich.

Unsicher, ob deine Gewürze im Konzept wirklich sauber abgesichert sind?

Dann lass uns kurz über deine Abläufe sprechen und schauen, wie QMSpot deine Gefahrenanalyse, Kennzeichnung und Dokumentation einfacher macht.

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