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PRP, CP oder CCP: So bewertest du deine Lenkungspunkte richtig

20.02.2026 | HACCP Hygiene, QM in der Praxis

Du stehst vor deinem HACCP-Konzept und fragst dich: Ist das jetzt ein PRP, CP oder CCP? Diese Frage entscheidet darüber, wie viel Dokumentation, Überwachung und Aufwand auf dich zukommen. Wer hier falsch einordnet, überwacht entweder zu viel oder übersieht ein echtes Risiko. Beides kostet Nerven und im Zweifel die Auditfreigabe. Wir zeigen dir, wie du die drei Begriffe sauber auseinanderhältst und selbst sicher bewertest.

Was ist ein PRP, also ein Präventivpunkt?

Ein PRP ist ein Präventivprogramm, auf Englisch Prerequisite Programme. Das sind die grundlegenden Hygienemaßnahmen, die in deinem Betrieb sowieso laufen müssen, bevor du überhaupt ans Feintuning denkst.

Typische Beispiele:

  • Reinigung und Desinfektion
  • Schädlingsbekämpfung
  • Personalhygiene und Schulung
  • Wartung von Anlagen und Gebäuden
  • Wareneingangskontrolle

PRPs schaffen die saubere Basis. Sie sind nicht auf eine einzelne Gefahr an einem bestimmten Prozessschritt zugeschnitten, sondern wirken im Hintergrund auf das ganze System.

Was ist ein CP, also ein Kontrollpunkt?

Ein CP ist ein Kontrollpunkt. An dieser Stelle im Prozess wird eine Gefahr beherrscht oder reduziert, aber ein Fehler führt nicht direkt zu einem ernsten Gesundheitsrisiko für den Verbraucher.

Ein CP ist also wichtiger als ein reines Präventivprogramm, aber nicht so kritisch, dass ein Ausrutscher sofort gefährlich wird. Beispiel: die optische Kontrolle auf Fremdkörper, wenn danach noch ein Metalldetektor folgt. Geht der CP daneben, fängt der nächste Schritt es ab.

Merke: Der Unterschied zwischen CP und CCP liegt in der Schwere der Folge. Ein nicht beherrschter CCP kann ein nicht akzeptables Risiko für die Gesundheit bedeuten.

Was ist ein CCP, also ein kritischer Kontrollpunkt?

Ein CCP ist ein kritischer Kontrollpunkt. Das ist der Schritt, an dem du eine Gefahr verhindern, ausschalten oder auf ein akzeptables Maß senken musst, und an dem es keinen späteren Schritt mehr gibt, der das auffängt.

Klassische Beispiele sind das Erhitzen zur Abtötung von Keimen oder die Metalldetektion als letzte Stufe vor dem Verpacken. Wenn hier etwas schiefläuft und niemand greift ein, landet ein unsicheres Lebensmittel beim Kunden. Genau deshalb wird ein CCP eng überwacht.

Wie kannst du PRP, CP oder CCP feststellen?

Die Einordnung von PRP, CP oder CCP läuft nicht nach Bauchgefühl, sondern über eine saubere Gefahrenanalyse. Du gehst jeden Prozessschritt durch und fragst dich: Welche biologische, chemische oder physikalische Gefahr kann hier auftreten?

Für die Entscheidung, ob ein Schritt ein CCP ist, nutzt du den Entscheidungsbaum aus dem Codex Alimentarius. Vereinfacht prüfst du dabei:

  1. Gibt es an diesem Schritt eine relevante Gefahr?
  2. Existiert eine Lenkungsmaßnahme, die sie beherrscht?
  3. Ist dieser Schritt nötig, um die Gefahr auf ein sicheres Maß zu senken?
  4. Fängt ein späterer Schritt die Gefahr noch ab?

Bleibt am Ende kein auffangender Schritt übrig, hast du in der Regel einen CCP vor dir. Wer die Grundlagen der Gefahrenanalyse vertiefen will, findet im Beitrag HACCP und die typischen Gefahren im Griff weiteren Praxisbezug.

Welche Dokumentation wird verlangt?

Die Dokumentationstiefe richtet sich nach der Art des Punktes. Je kritischer, desto mehr Nachweis.

Bei PRPs

  • Reinigungs- und Hygienepläne
  • Schulungsnachweise
  • Wartungs- und Prüfprotokolle

Bei CCPs

  • festgelegte Grenzwerte
  • Überwachungsverfahren mit klarer Frequenz
  • Korrekturmaßnahmen bei Abweichung
  • Verifizierung und lückenlose Aufzeichnungen

Wichtig: Die konkreten Grenzwerte und Fristen hängen von Betrieb, Produkt und Vorgaben ab und sollten intern gegen die aktuellen rechtlichen und normativen Anforderungen geprüft werden. Eine gute Orientierung zu den amtlichen Grundlagen bietet das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit.

Wie kannst du diese Punkte selbst festlegen?

Du musst das Rad nicht neu erfinden. Mit einem strukturierten Vorgehen legst du PRP, CP oder CCP selbst fest:

  1. Prozess Schritt für Schritt aufnehmen
  2. Gefahren je Schritt bewerten
  3. Lenkungsmaßnahmen zuordnen
  4. Entscheidungsbaum durchlaufen
  5. Ergebnis und Begründung dokumentieren

Der häufigste Fehler: aus Vorsicht alles zum CCP erklären. Das bläht dein System auf und macht die Überwachung unübersichtlich. Sauber bewerten heißt, nur dort einen CCP zu setzen, wo es wirklich nötig ist.

Häufige Fragen zu PRP, CP oder CCP

Ist ein PRP weniger wichtig als ein CCP?

Nein. PRPs sind die Grundlage, ohne die kein HACCP-System funktioniert. Sie sind nur anders gelagert als ein kritischer Kontrollpunkt.

Kann ein Punkt sich vom CP zum CCP ändern?

Ja. Wenn sich Prozess, Produkt oder Anlage ändern, solltest du die Bewertung neu durchlaufen. HACCP ist ein lebendes System.

Wie viele CCPs sind richtig?

So viele wie nötig, so wenige wie möglich. Die Zahl ergibt sich aus der Gefahrenanalyse, nicht aus einer Vorgabe.

Unsicher bei der Bewertung deiner Lenkungspunkte?

Wir erklären die Einordnung von PRP, CP oder CCP sehr gerne in unserer Schulung und schauen gemeinsam auf deine konkreten Prozesse.

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